Leben wie der Kaiser in China?

Leben wie der Kaiser in China oder der König in Frankreich? Einem Trend zufolge kauft die Elite der Superreichen in China seit neustem gerne Schlösser auf, so geschehen kürzlich mit dem Schloss Richelieu in Frankreich, oder baut sich einfach ein eigenes Versailles auf chinesischem Grund. Der Luxus kennt keine Grenzen! Doch wie immer gibt es auch die Kehrseite der Medaille und die sieht anders aus. Denn wie der Luxus keine Grenzen kennt, kennt auch die Not nur wenige Grenzen und macht China zu dem Land, in dem die Schere zwischen Arm und Reich am größten ist. Wie leben die Chinesen im 21.Jahrhundert? Wie leben Sie in den Metropolen und wie leben sie auf dem Land? Wie leben Sie im Norden, im Süden, am Meer und im Gebirge?

 

HUTONGS- DIE TRADITIONELLEN WOHNVIERTEL DER CHINESEN IN PEKING

Wenn man die traditionellen Wohnviertel und Gässchen, die sogenannten „Hutong", in Peking besucht, legt man sein Ohr auf die Schienen der chinesischen Geschichte. Die ersten Hutong entstanden zur Zeit der mongolischen Yuan-Dynastie (1279-1368) und wurden für die einheimischen Pekinger gebaut. Damals war die Stadtplanung noch Aufgabe des chinesischen Kaisers, wobei die Anordnung der Wohnviertel nach dem sogenannten Etikette-System der Zhou-Dynastie (ca.11.Jh.v.Chr. - 256 v.Chr.) erfolgte. Das Herzstück Pekings war die Verbotene Stadt, welche umgeben war von einem inneren und einem äußeren Stadtring. Noch während der Yuan-Dynastie lebten im inneren Ring vorwiegend Mongolen, im äußeren wurden die Pekinger untergebracht, noch weiter außen lebten die „waidiren“, aus anderen Regionen zugezogene Chinesen. Je höher der gesellschaftliche Status, desto näher durfte man an der Verbotenen Stadt leben, weswegen Aristokraten unmittelbar östlich und westlich des Palastes anzufinden waren. Die nördlichen und südlichen Hutong waren für Arbeiter, Kaufleute und Kunsthandwerker reserviert. Meistens bewohnte eine Familie einen „Siheyuan“, einen Wohnhof mit vier umliegenden Gebäuden. Die West-Ost-Ausrichtung der Wohnhöfe verleiht dem Stadtbild Pekings seine schachbrettartige Struktur.

 

Darüberhinaus war die geometrische und hierarchische Anordnung der Hutong Symbol des bis in die Qing-Dynastie (1644-1911) geltenden Feudalsystems, welches bis zum Sturz des Kaiserhofs gültig war. Zu dieser Zeit wurden immer mehr Hutong an den Stadträndern gebaut und die historische Anordnung ging verloren. Nach dem Ausruf der Volksrepublik China 1949, lösten sich diese traditionellen Strukturen noch mehr auf. Familien zogen immer mehr von den Hutong in die neuen modernen und anonymen Hochhäuser oder mussten sich aufgrund der wachsenden Einwohnerzahl und steigenden Mieten mit mehreren Familien oder Nachbarn einen „Siheyuan" teilen– die Fragmentierung der Pekinger Gesellschaft schritt immer weiter voran. Und auch heute noch führt die Idealisierung des westlichen Lebensstandards zur Abkehr vom herkömmlichen Gemeinschaftsleben der Chinesen und zur Auflösung der traditionellen Wohnviertel.

 

ENDSTATION SEHNSUCHT – DAS SCHICKSAL DER CHINESISCHEN WANDERARBEITER

Das chinesische Wirtschaftswachstum seit den 1980ern zog eine gewaltige Binnenmigration und fortschreitende Urbanisierung nach sich. Im Jahr 2011 lebten zum ersten Mal in der chinesischen Geschichte mehr als die Hälfte aller Chinesen in Städten, bis 2020 wird ein Anstieg auf 60% erwartet. Besonders die großen Ballungszentren wurden zu „Endstationen der Sehnsucht“ für die arme, nach Arbeit suchende Landbevölkerung. Doch wo kommen eigentlich diese Massen an Neuzugezogenen in den großen Städten unter? Erst in den letzten Jahren wurde man in den Medien immer mehr auf die sogenannten „unterirdischen Städte und Dörfer“ aufmerksam, die sich immer mehr in den Katakomben von Hochhäusern und dem Pekinger Kanalsystem entwickelten. Aufgrund der steigenden Mietpreise in den urbanen Zentren, ziehen die meisten Wanderarbeiter und junge Arbeitskräfte (teilweise mit der ganzen Familie) in Zimmer „unter Tage“. Dort wohnen sie in engen Räumen, in denen es meist nur ein Bett und keine Fenster gibt. Die Zuwanderer, die auch als „Ratten-Menschen“ oder „Ameisenvolk“ bezeichnet werden, sind dem Traum nach Arbeit gefolgt, um der Illusion eines besseren Lebens in der Stadt zu erliegen. Denn die niedrigen Löhne, die man als Friseur, Servicekraft oder Wanderarbeiter verdient, reichen noch nicht mal für eine sichere Behausung. Immobilienspekulation und die Annäherung an einen westlichen Lebensstandard hat das Leben für viele Chinesen in den Städten unbezahlbar gemacht. Nun fristen viele von ihnen (nach einer Dunkelziffer leben bis zu 1 Million Chinesen in Peking unterirdisch!) ein Leben unter Tage und organisieren sich dort neu. Gerne gesehen werden die „auf engstem Raum-Hausenden“ von den normalen Pekingern nicht, weswegen es immer wieder zu Räumungsaktionen durch die Polizei kommt. Doch wohin mit dem Ameisenvolk? Eine Lösung für die Wanderarbeiter hat die chinesische Politik bis jetzt noch nicht angeboten.

 

AUF DEN SPUREN DER CHINESISCHEN REVOLUTION – ZU BESUCH IN DEN WOHNHÖHLEN SHAANXIS

Die Geschichte der großen Führer Chinas führt unweigerlich in den Norden der zentralchinesischen Provinz Shaanxi. Denn dort, in den Wohnhöhlen des größten Lössplateaus Chinas, hat sich nach dem Langen Marsch die Kommunistische Partei Chinas von den Kämpfen gegen die Kuomintang erholt. Die Stadt Yan’an war zwischen 1935-1948 während des Widerstandes gegen Japan die revolutionäre Hochburg der Kommunisten unter Mao Zedong. Mehrere Jahre soll er mit seinen Genossen in einer Wohnhöhle gehaust haben, bevor er im Jahr 1949 die Volksrepublik China ausrief. Und auch ein anderer chinesischer Führer wohnte mehrere Jahre in einer Höhlenwohnung: Der heutige Staatschef Xi Jinping! Dieser musste sich während der Kulturrevolution (1966-1976) in die Höhlenverstecke flüchten, weil sein Vater Xi Zhongxun, der von 1959-1962 Vize-Premier der VR China war, bei Mao Zedong in Ungnade gefallen war.

 

Auch heute leben noch ca. 40 Millionen Chinesen in Shaanxi in „Yaodong", wie die Höhlenwohnungen in China genannt werden. Die Wohnungen, die in die Erde eingearbeitet sind, bieten eine perfekte Wärmeregulation und sind günstig in der Instandhaltung, weswegen sie schon vor Jahrhunderten von ganzen Familien und Clans als Behausung genutzt wurden. Auch buddhistische Mönche zogen sich für ihre Klausuren in das Innere der Erde zurück. Heute bieten sie der armen Landbevölkerung in Shaanxi ein Zuhause, die sich keine Häuser oder Wohnungen leisten kann. Dass der chinesische Staatschef in einer dieser ärmlichen Behausungen gewohnt hat, hat ihm das Vertrauen der Landbevölkerung eingebracht, die hoffte, er sei quasi einer von ihnen und würde sich gemäß dem Spruch „verachte nicht die Höhle, in der du dich einmal versteckt hast“, besonders um ihre Anliegen bemühen. Bis jetzt ist dies allerdings noch nicht passiert.

 

NEUREICH IN CHINA – EIN LEBEN IN SAUS UND BRAUS

Ein Designer-Baby aus Amerika, eine Frischzellenkur in der Schweiz, eine eigene Insel, eine Nachbildung der Cheops-Pyramide im eigenen Garten, ein Privatmuseum oder einfach ein Privatjet, ein Boot und mehrere Luxusautos. Die neuen Reichen in China kommen auf immer waghalsigere Ideen, um ihr Geld unter die Leute zu bringen. Ist die ältere Generation der Wohlhabenden in China aufgrund ihres legeren Auftreten kaum zu erkennen, lieben es die jungen Reichen, ihren Reichtum nach außen zu tragen – „to show off", wie man das auf Englisch nennt. Markenbewusstsein und Prestige-Objekte aller Art machen die Neureichen zu der neuen Lieblingszielgruppe der internationalen Luxusmarken, die in China das große Geld wittern. Und genau da sind sie auch richtig! Laut dem Hunrun-Report, der chinesischen Variante des Forbes-Berichtes, gab es im Jahr 2013 in China 2,7 Millionen Dollar-Millionäre, 63,500 Superreiche mit einem Besitz von mehr als 10 Millionen US-Dollar und 8100 Milliardäre, die Dunkelziffer ist noch höher. Die meisten reichen Chinesen leben in Peking, wo min. 100.000 wohlhabende Haushalte vermutet werden, gefolgt von Guangdong und Shanghai.

 

Der neue chinesische Reiche ist meist nicht älter als 40 Jahre, gut ausgebildet und hat Auslandserfahrung. Er kauft gerne teure Autos, Luxusmarken und Immobilien und legt viel Wert auf teure Reisen. Statussymbole und Prestige-Träger sind so wichtig für die jungen Reichen, dass selbst Russland auf dem Luxusmarkt von der Poleposition vertrieben wurde. Rolls Royce musste im Jahr 2006 sogar 200 neue Arbeitskräfte einstellen und Doppelschichten beordern, um der Nachfrage der Chinesen an dem neuen Phantom-Modell gerecht zu werden. Alles was Geld kostet, ist den Chinesen wichtig. Nirgends gibt es so viel Konsumtempel für Luxusgegenstände wie in chinesischen Großstädten. Denn genauso schnell wie die Chinesen reich geworden sind, wollen sie auch an dem teilhaben, was ihnen lange, insbesondere in der Kulturrevolution, verboten wurde: Geld ausgeben und Reichtümer anhäufen. Das rasante Wirtschaftswachstum der vergangenen 30 Jahre und das krankhafte Bedürfnis, nach oben zu gelangen und „dazu zu gehören“, haben dazu geführt, dass in China nichts mehr wert ist als der materielle Wert und nichts mehr zählt, als das „wer hat, der kann“!

 

 

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